
Dieses eintägige Symposium bringt Kurator:innen und Theoretiker:innen zusammen, um über die Ethiken und Ästhetiken ambivalenter Ordnungen zu diskutieren.
Im zeitgenössischen Kunstfeld ist das Geben mehr als nur eine Metapher – es strukturiert die Beziehungsökonomien des Kuratierens, des Institutionenaufbaus und der künstlerischen Arbeit. Doch das Geben, eine scheinbar wohlwollende Handlung, ist verstrickt in Geschichten von Aneignung, Anerkennungssystemen und Aufmerksamkeitsökonomien. Zu geben heißt in der Kunst auch: zu rahmen, zu begrenzen und die Bedingungen der Rezeption festzulegen. Die Frage ist daher nicht nur, was gegeben wird, sondern auch wie, von wem und unter welchen institutionellen Bedingungen.
Dieses Symposium fragt, welche Formen des Gebens noch in der Lage sind, dominante Systeme zu unterbrechen statt sie zu stabilisieren – was es heißt, zu geben, ohne zu vereinnahmen, zu beherbergen, ohne zu absorbieren, zu unterstützen, ohne Widersprüche zu glätten. Können wir ästhetische Strategien wie Humor, Ironie oder Opazität noch anbieten, ohne dass sie sofort in der Aufmerksamkeitsökonomie aufgehen? In einem Feld, in dem Förderungen an Lesbarkeit geknüpft sind und Teilhabe als Inklusion gerahmt wird, müssen Kurator:innen immer wieder neue Grammatiken erfinden – solche, die Raum schaffen nicht nur für das Unsagbare, sondern auch für das Unklare, das Unaufgelöste, das Nicht-Optimierte.
Das Symposium Ambivalente Ordnungen ist von der Austrian Association of Curators (AAC) konzipiert (Mirela Baciak, Freda Fiala, Laura Amann, Hana Ostan-Ožbolt-Haas, Théo-Mario Coppola, Cornelia Lein, Andrea Popelka und Jovanka Popova) und in Partnerschaft mit dem MuseumsQuartier Wien organisiert, mit freundlicher Unterstützung des BMWKMS (Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport)
Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
15.11.2025
10:00–18:00
Barocke Suiten, MuseumsQuartier
10.00–10.20
Begrüßung durch Bettina Leidl, Direktorin des MuseumsQuartier Wien
Begrüßung und kurze Einführung durch die AAC
10.20–11.00
Keynote von Gürsoy Doğtaş
MEINE MUTTER, DIE “GASTARBEITERIN”, UND ICH – ÜBER DAS KURATIEREN ALS GESTE DER RÜCKGABE
In Deutscher Sprache.
11.00–12.30
GEBEN, NEHMEN, ZURÜCKGEBEN, ZURÜCKNEHMEN – VERFLECHTUNGEN DES WERDENS IM KOMMENDEN MUSEUM
Das Panel erkundet die Spannungsfelder zwischen Geben und Nehmen, zwischen Zurückgeben und Zurücknehmen – Gesten, die nicht nur Austausch bedeuten, sondern Beziehung stiften, Verantwortung formen und Institutionen im Werden zeigen. Im Mittelpunkt steht das „kommende Museum“ – eine Institution im Wandel und zugleich eine Idee, die auf Resonanz und Rückbindung beruht. In diesem Spannungsfeld werden Objektgeschichte, Rückgabe und Rücknahme zu Prozessen, in denen materielle Herkunft, symbolische Bedeutung und kulturelle Verantwortung neu verhandelt werden.
Mit: Claudia Banz (Direktorin, Weltmuseum Wien), Matthias Beitl (Direktor, Volkskundemuseum Wien), Pia Schölnberger (Leitung, Kommission für Provenienzforschung, BMKÖS), Vanessa Spanbauer (Kuratorin und Historikerin)
Moderiert von Freda Fiala (AAC)
In Deutscher Sprache.
12.30–13.30 Lunch Pause
13.30–15.00
NOT THAT INNOCENT (NICHT GANZ UNSCHULDIG)
ÖSTERREICHS KOLONIALE VERSTRICKUNGEN: ÜBER IMPERIUM, AMNESIE UND VERANTWORTUNG
Dieses Gespräch hinterfragt Österreichs noch immer gern bemühte – wenn auch längst widerlegte – koloniale Unschuld, indem es die Verflechtungen mit anderen imperialen Mächten, rassistischem Kapitalismus und epistemischer Gewalt nachzeichnet. Abgesehen von einigen kurzlebigen und wirtschaftlich wenig erfolgreichen Versuchen scheiterte Österreich weitestgehend an der Übernahme von Territorien außerhalb Europas – ein Umstand, der häufig als Freibrief genutzt wird, um koloniale Verstrickungen abzustreiten.
Doch nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein: von der imperialen Dominanz über Nachbarregionen unter den Habsburgern über die Beteiligung an kolonialer Gewalt durch Partnerschaften bis hin zur Mitwirkung an europäischen Kolonialsystemen – Österreich hat koloniale Ideologien maßgeblich mitgeprägt und wurde zugleich von ihnen geformt, insbesondere in Wissenschaft, Kultur und Critical Race Theory. Eine postimperiale Amnesie hat diese Hinterlassenschaften überdeckt – doch sie wirken fort: in Institutionen, Sammlungen und im öffentlichen Raum.
Dieses Gespräch zeichnet nach, wie koloniale Geschichte die Gegenwart weiterhin strukturiert. Die Panelist*innen reflektieren ihre jeweiligen Praxen und gehen der Frage nach, warum diese bequeme Verdrängung von Verantwortung bis heute so wirkmächtig ist.
Mit: Rado Ištok (Kurator, Nationalgalerie Prag), Belinda Kazeem-Kamiński (Künstlerin, Autorin und Forscherin), Tayla Myree (Kunsthistorikerin) und Mireille Ngosso (Ärztin, Aktivistin und Politikerin)
Moderiert von Laura Amann (AAC)
In Englischer Sprache.
15.15–16.45
THE RIGHT TO HOST?
ÜBER DIE PRAKTIKEN DER GASTFREUNDSCHAFT IN ZEITGENÖSSISCHEN KUNSTINSTITUTIONEN
Das Panel befasst sich mit Praktiken der Gastfreundschaft in österreichischen zeitgenössischen Kunstinstitutionen, wo vielfältige Migrationsgeschichten aufeinandertreffen. Welche politische Haltung nehmen diese Praktiken ein? Gastfreundschaft, deren etymologische Wurzel in hospes (Gast/Gastgeber*in) und hostis (Fremde*r/Feind*in) liegt, ist niemals neutral: Sie rahmt die Gästin zugleich als Begünstigte und als reguliertes Subjekt. Im Gegensatz zu der Weise, in der viele europäische Nationalstaaten – beispielsweise Österreich selbst – ein rassistisches Phantasma der Migrantin als ewigen Gästin oder zu verbannendes Wesen konstruieren, erkundet das Panel die Möglichkeit, dass Migrant*innen selbst zu Gastgeber*innen werden, Begegnungen gestalten und Formen des Zusammenlebens definieren. Über das paternalistische Modell einer „reibungslosen“ Integration hinausgehend, richtet es den Blick auf Formen der Gastfreundschaft, die Differenz bewahren – und dabei Opazität und teilweise Unübersetzbarkeit anerkennen. Gemeinsam fragen wir, wie kuratorische Praktiken Solidarität stiften können, die dort beginnt, wo diese sogenannte Integration endet. Wie weit sind wir im Überdenken einer Ethik des Gastgebens gekommen? Und welche geteilten Wünsche haben wir für gastgebende Institutionen der Zukunft?
Mit: Aleksei Borisionok (Kurator und Autor,Wien), Ramesch Daha (Präsidentin Secession Wien und Künstlerin), Anton Lederer (Kurator, Rotor, Graz), Nina Tabassomi (Direktorin und Kuratorin, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, Innsbruck)
Moderiert von Andrea Popelka & Jovanka Popova (AAC)
In Englischer Sprache.
16.45–17.30 Abschlussrunde
Dieses eintägige Symposium bringt Kurator:innen und Theoretiker:innen zusammen, um über die Ethiken und Ästhetiken ambivalenter Ordnungen zu diskutieren.
Im zeitgenössischen Kunstfeld ist das Geben mehr als nur eine Metapher – es strukturiert die Beziehungsökonomien des Kuratierens, des Institutionenaufbaus und der künstlerischen Arbeit. Doch das Geben, eine scheinbar wohlwollende Handlung, ist verstrickt in Geschichten von Aneignung, Anerkennungssystemen und Aufmerksamkeitsökonomien. Zu geben heißt in der Kunst auch: zu rahmen, zu begrenzen und die Bedingungen der Rezeption festzulegen. Die Frage ist daher nicht nur, was gegeben wird, sondern auch wie, von wem und unter welchen institutionellen Bedingungen.
Dieses Symposium fragt, welche Formen des Gebens noch in der Lage sind, dominante Systeme zu unterbrechen statt sie zu stabilisieren – was es heißt, zu geben, ohne zu vereinnahmen, zu beherbergen, ohne zu absorbieren, zu unterstützen, ohne Widersprüche zu glätten. Können wir ästhetische Strategien wie Humor, Ironie oder Opazität noch anbieten, ohne dass sie sofort in der Aufmerksamkeitsökonomie aufgehen? In einem Feld, in dem Förderungen an Lesbarkeit geknüpft sind und Teilhabe als Inklusion gerahmt wird, müssen Kurator:innen immer wieder neue Grammatiken erfinden – solche, die Raum schaffen nicht nur für das Unsagbare, sondern auch für das Unklare, das Unaufgelöste, das Nicht-Optimierte.
Das Symposium Ambivalente Ordnungen ist von der Austrian Association of Curators (AAC) konzipiert (Mirela Baciak, Freda Fiala, Laura Amann, Hana Ostan-Ožbolt-Haas, Théo-Mario Coppola, Cornelia Lein, Andrea Popelka und Jovanka Popova) und in Partnerschaft mit dem MuseumsQuartier Wien organisiert, mit freundlicher Unterstützung des BMWKMS (Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport)
Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
15.11.2025
10:00–18:00
Barocke Suiten, MuseumsQuartier
10.00–10.20
Begrüßung durch Bettina Leidl, Direktorin des MuseumsQuartier Wien
Begrüßung und kurze Einführung durch die AAC
10.20–11.00
Keynote von Gürsoy Doğtaş
MEINE MUTTER, DIE “GASTARBEITERIN”, UND ICH – ÜBER DAS KURATIEREN ALS GESTE DER RÜCKGABE
In Deutscher Sprache.
11.00–12.30
GEBEN, NEHMEN, ZURÜCKGEBEN, ZURÜCKNEHMEN – VERFLECHTUNGEN DES WERDENS IM KOMMENDEN MUSEUM
Das Panel erkundet die Spannungsfelder zwischen Geben und Nehmen, zwischen Zurückgeben und Zurücknehmen – Gesten, die nicht nur Austausch bedeuten, sondern Beziehung stiften, Verantwortung formen und Institutionen im Werden zeigen. Im Mittelpunkt steht das „kommende Museum“ – eine Institution im Wandel und zugleich eine Idee, die auf Resonanz und Rückbindung beruht. In diesem Spannungsfeld werden Objektgeschichte, Rückgabe und Rücknahme zu Prozessen, in denen materielle Herkunft, symbolische Bedeutung und kulturelle Verantwortung neu verhandelt werden.
Mit: Claudia Banz (Direktorin, Weltmuseum Wien), Matthias Beitl (Direktor, Volkskundemuseum Wien), Pia Schölnberger (Leitung, Kommission für Provenienzforschung, BMKÖS), Vanessa Spanbauer (Kuratorin und Historikerin)
Moderiert von Freda Fiala (AAC)
In Deutscher Sprache.
12.30–13.30 Lunch Pause
13.30–15.00
NOT THAT INNOCENT (NICHT GANZ UNSCHULDIG)
ÖSTERREICHS KOLONIALE VERSTRICKUNGEN: ÜBER IMPERIUM, AMNESIE UND VERANTWORTUNG
Dieses Gespräch hinterfragt Österreichs noch immer gern bemühte – wenn auch längst widerlegte – koloniale Unschuld, indem es die Verflechtungen mit anderen imperialen Mächten, rassistischem Kapitalismus und epistemischer Gewalt nachzeichnet. Abgesehen von einigen kurzlebigen und wirtschaftlich wenig erfolgreichen Versuchen scheiterte Österreich weitestgehend an der Übernahme von Territorien außerhalb Europas – ein Umstand, der häufig als Freibrief genutzt wird, um koloniale Verstrickungen abzustreiten.
Doch nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein: von der imperialen Dominanz über Nachbarregionen unter den Habsburgern über die Beteiligung an kolonialer Gewalt durch Partnerschaften bis hin zur Mitwirkung an europäischen Kolonialsystemen – Österreich hat koloniale Ideologien maßgeblich mitgeprägt und wurde zugleich von ihnen geformt, insbesondere in Wissenschaft, Kultur und Critical Race Theory. Eine postimperiale Amnesie hat diese Hinterlassenschaften überdeckt – doch sie wirken fort: in Institutionen, Sammlungen und im öffentlichen Raum.
Dieses Gespräch zeichnet nach, wie koloniale Geschichte die Gegenwart weiterhin strukturiert. Die Panelist*innen reflektieren ihre jeweiligen Praxen und gehen der Frage nach, warum diese bequeme Verdrängung von Verantwortung bis heute so wirkmächtig ist.
Mit: Rado Ištok (Kurator, Nationalgalerie Prag), Belinda Kazeem-Kamiński (Künstlerin, Autorin und Forscherin), Tayla Myree (Kunsthistorikerin) und Mireille Ngosso (Ärztin, Aktivistin und Politikerin)
Moderiert von Laura Amann (AAC)
In Englischer Sprache.
15.15–16.45
THE RIGHT TO HOST?
ÜBER DIE PRAKTIKEN DER GASTFREUNDSCHAFT IN ZEITGENÖSSISCHEN KUNSTINSTITUTIONEN
Das Panel befasst sich mit Praktiken der Gastfreundschaft in österreichischen zeitgenössischen Kunstinstitutionen, wo vielfältige Migrationsgeschichten aufeinandertreffen. Welche politische Haltung nehmen diese Praktiken ein? Gastfreundschaft, deren etymologische Wurzel in hospes (Gast/Gastgeber*in) und hostis (Fremde*r/Feind*in) liegt, ist niemals neutral: Sie rahmt die Gästin zugleich als Begünstigte und als reguliertes Subjekt. Im Gegensatz zu der Weise, in der viele europäische Nationalstaaten – beispielsweise Österreich selbst – ein rassistisches Phantasma der Migrantin als ewigen Gästin oder zu verbannendes Wesen konstruieren, erkundet das Panel die Möglichkeit, dass Migrant*innen selbst zu Gastgeber*innen werden, Begegnungen gestalten und Formen des Zusammenlebens definieren. Über das paternalistische Modell einer „reibungslosen“ Integration hinausgehend, richtet es den Blick auf Formen der Gastfreundschaft, die Differenz bewahren – und dabei Opazität und teilweise Unübersetzbarkeit anerkennen. Gemeinsam fragen wir, wie kuratorische Praktiken Solidarität stiften können, die dort beginnt, wo diese sogenannte Integration endet. Wie weit sind wir im Überdenken einer Ethik des Gastgebens gekommen? Und welche geteilten Wünsche haben wir für gastgebende Institutionen der Zukunft?
Mit: Aleksei Borisionok (Kurator und Autor,Wien), Ramesch Daha (Präsidentin Secession Wien und Künstlerin), Anton Lederer (Kurator, Rotor, Graz), Nina Tabassomi (Direktorin und Kuratorin, TAXISPALAIS Kunsthalle Tirol, Innsbruck)
Moderiert von Andrea Popelka & Jovanka Popova (AAC)
In Englischer Sprache.
16.45–17.30 Abschlussrunde